Wirkungsweise
Wie wirkt Spagyrik?
Neue Erkenntnisse zur Anwendung spagyrischer Pflanzenessenzen
Ein Beitrag von Hans-Josef Fritschi
Überträgt man diesen Vorgang der Essenzherstellung auf die
Verhältnisse beim Menschen, so wird bald deutlich, was spagyrische
Pflanzenessenzen in der Therapie bewirken sollen. Das
SALISCHE im Menschen zeigt sich in seinem materiellen
Körper, das MERKURIELLE im Geist, während die Seele als
Wesenskern dem SULFURISCHEN entspricht. Diese Zuordnungen
jedenfalls offenbaren die Verhältnisse im spagyrischen Prozess bei
der Pflanze. Damit ist SULFUR Träger des Unsterblichen, während
SAL und MERCURIUS veränderbare Bereiche des Menschen
darstellen, wobei hier als Geist die Emotionalität und der
Intellekt zu verstehen sind (Abb. 1). Fragen wir danach, wie sich
Gesundheit und Krankheit im Menschen entsprechend den drei
Prinzipien darstellen, so muss festgestellt werden, dass das
SULFUR-PRINZIP als unsterblicher Anteil die zentrale
Rolle schlechthin spielt. Es ist Träger des individuellen
"Programms" eines Menschen, das sich im Leben zu verwirklichen
trachtet. Zu diesem Zweck bedient sich SULFUR der
"sterblichen Prinzipien" SAL und MERCURIUS, sprich
Körper und Geist. Stehen nun alle Prinzipien in ungehinderter
Verbindung zueinander, so kann sich der Wesenskern des Menschen
über Körper (Bau, Struktur, Funktion, Dynamik) ebenso wie über den
Geist (Gefühl, Empfinden, Denken, Handeln) entfalten. Dies
entspräche somit der Gesundheit aus spagyrischer Sicht (Abb. 2).
Was ist entsprechend dann Krankheit?
Krank ist der Mensch dann, wenn Körper und Geist nicht in
Verbindung mit dem Wesenskern der individuellen Seele stehen und
ein Eigenleben führen, was sich in Krankheitszeichen ablesen lässt.
Dadurch verändern sich Sal und Mercurius (Abb. 3).
THERAPEUTISCHES ZIEL DER SPAGYRIK IST ES DAHER, DIE DREI
PRINZIPIEN IM MENSCHEN WIEDER ZU WERKZEUGEN DER SEELE ZU
MACHEN. Dazu sollen die spagyrischen Pflanzenessenzen dienen.
Dies wird verständlich, wenn man den spagyrischen Laborprozess mit
dem menschlichen Prozess des Krank- und Gesundwerdens vergleicht.
In diesem Sinne entspricht die gewachsene Pflanze dem Menschen,
dessen Prinzipien nicht mehr in Kontakt zueinander stehen. Der
spagyrische Prozess, dem diese Pflanze unterworfen wird, wäre
sodann analog den Erkrankungs- und Genesungsprozessen im Menschen
zu deuten, an deren Ende eine NEUSTRUKTURIERUNG der drei
Prinzipien als "Heilung" steht:
Eine wieder im Einklang mit dem Wesenskern stehende anatomische und
physiologische Struktur (SAL) sowie ein der eigenen Seele
entsprechendes Fühlen und Denken (MERCURIUS).
Aus diesen hier nur in knapper Form geschilderten Überlegungen heraus bekommen die spagyrischen Pflanzenessenzen eigene, neue Wirkbilder, in die das bisher aus Phytotherapie und Homöopathie Bekannte allerdings integriert werden kann. Ganz neue Ansatzpunkte ergeben sich sodann in der damit möglichen PSYCHOSOMATISCHEN DEUTUNG DER ESSENZEN und ebenso (da hier ja die Pflanze im Sinne eines Symbols für das Ungleichgewicht der Prinzipien betrachtet wird) durch eine eigenständige "SPAGYRISCHE PFLANZENBETRACHTUNG", durch die man in die Lage versetzt wird, anhand pflanzlicher Einseitigkeiten menschliche Krankheiten wiederzuerkennen. So wird dann z.B. TANACETUM BALSAMITA zu einem spagyrischen Mittel für die Folgen von Traumatisierungen der Weiblichkeit, JUNIPERUS COMMUNIS zum Hilfsmittel, wenn eine Partnerschaft scheinbar in eine Sackgasse geführt hat, gleichzeitig aber der Mut zur Veränderung fehlt oder VINCA MINOR zu einer bedeutsamen Essenz für Frauen, denen das Klimakterium Angst macht und die sich gegen den notwendigen Wandel (meist über körperliche Symptome) zur Wehr setzen.


